Lutherstein Stotternheim
Aus Erfurt-web.de
Lutherstein bei Stotternheim
Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (29.10.2011)
Urknall der Reformation
DENKMALE IN ERFURT (17): Der Lutherstein bei Stotternheim markiert einen Ort von welthistorischer Bedeutung. Mit dem „Gewittererlebnis“ von 1505 begann Luthers Weg zum Reformator.
Am 4. November 1917, dem Sonntag nach dem 400. Reformationstag, erfolgte nahe Stotternheim die Einweihung des Luther-Gedenksteines. Dieser nahm auf jenes sagenumwobene „Gewittererlebnis“ vom 2. Juli 1505 Bezug, das den Erfurter Jura-Studenten Martinus Ludher zum Eintritt ins Augustinerkloster bewogen hatte. Im nationalen Geist des Ersten Weltkrieges beschwor man Luther als Hoffnungsträger der Deutschen. Gymnasialdirektor Prof. Dr. Johannes Biereye rief dazu auf, „mit dem Glaubensmut und der Glaubenskraft Luthers weiter zu leben und zu kämpfen in aller Not und Gefahr, die uns in dieser Welt umdräut“. Der unbehauene Gedenkstein aus schwedischem Granit nennt den Ort „Werdepunkt der Reformation“, auf der Rückseite wird ihm im Pathos der Zeit das Prädikat „Geweihte Erde“ verliehen.
Freilich lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Luther auf dem Rückweg vom heimischen Mansfeld tatsächlich beim Einschlag eines Blitzes an dieser Stelle spontan den Schwur tat „Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!“ und diesen dann als göttliche Fügung konsequent umsetzte. Der Theologe Dr. Andreas Lindner von der Universität Erfurt, der sich eingehend mit dem Thema beschäftigt hat, vermutet vielmehr einen längeren Prozess, der zur Hinwendung ins Religiöse führte. Sicher ist aber, dass mit dem Eintritt in das Erfurter Augustinerkloster am 17. Juli 1505 die intensive Auseinandersetzung Luthers mit der Frage begann, wie er einen gnädigen Gott bekommen könne. Hier liegen wesentliche Wurzeln der lutherischen Theologie. Ist das Wort vom „Urknall der Reformation“ mit Blick auf den Stotternheimer Gewitterdonner also mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, steht die Bedeutung des anschließenden Klostereintritts außer Frage. Dies wurde erst jüngst vor den Augen der Welt beim Besuch von Papst Benedikt XVI. sehr deutlich.
Siehe auch Martin Luther und Erfurt, Erfurter Bürgertum

