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Landtag Thüringen

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Thüringer Landtag

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (12.07.2014)


Spiegel der Zeitgeschichte

DENKMALE IN ERFURT (157): Der Landtagskomplex steht für die Landeshauptstadt Erfurt und wurde durch drei politische Systeme geprägt.


Erfurt präsentiert sich heute stolz als Landeshauptstadt. Galt es schon seit dem Mittelalter als „Metropolis Thuringiae“, als Metropole Thüringens, so hat es diesen Status seit 1948 und endgültig seit 1990 auch formal inne. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es 1945 erstmals zur Bildung eines umfassenden Landes Thüringen gekommen, dessen Hauptstadtfunktion Erfurt von Weimar übernahm. 1952 in der DDR aufgelöst und in die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl unterteilt, kam es 1990 mit der deutschen Wiedervereinigung zur erneuten Gründung des Landes Thüringen, das sich seit 1993 Freistaat nennt. Neben der schmucken Staatskanzlei am Hirschgarten und den überwiegend im Süden der Stadt angesiedelten Ministerien steht der Komplex des Thüringer Landtags baulich für die Landeshauptstadt Erfurt. Er spiegelt zudem bis über die Zeit vor 1945 zurück die wendungsreiche Zeitgeschichte Thüringens.

Als 1939 das heutige Fraktionsgebäude des Landtags an der Arnstädter Straße als ältester Teil des Komplexes eingeweiht wurde (siehe Abb.), gehörte Erfurt noch gar nicht zu Thüringen. Während 1920 aus den ehemaligen Kleinstaaten der erste Freistaat Thüringen mit der Hauptstadt Weimar entstanden war, blieb Erfurt bis 1945 Hauptstadt des preußischen Regierungsbezirkes Erfurt. Architekt Wilhelm Pook hatte 1935 den Auftrag bekommen, alle Dienststellen der Bezirksregierung einschließlich der Gestapo in einem repräsentativen Gebäude unterzubringen. Der klassizistische Bau mit dem markanten Eingangs-Portikus erinnert deutlich an den Baustil des Dritten Reiches. Darüber hinaus sollte der Beethovenplatz, nicht zuletzt in Konkurrenz mit der NSDAP-Gauhauptstadt Weimar, zu einem pompösen Machtzentrum ausgebaut werden. Diese Pläne wurden kriegsbedingt allerdings nicht ausgeführt.

Symbol der kurzzeitigen Hauptstadtrolle im Land Thüringen nach 1945 ist das 1951 errichtete zehngeschossige Hochhaus von Architekt Egon Hartmann. Der wegen seiner modernen Form seinerzeit heftig umstrittene Bau wurde vom Volksmund auch „Eierkiste“ tituliert. Hier zog die Landesregierung ein. Als nur wenig später die Länder aufgelöst wurden übernahm 1952 der Rat des Bezirkes Erfurt das Gebäude. Nach der deutschen Wiedervereinigung erweiterte man schließlich den Komplex zum Sitz des Thüringer Landtags. Zum Behördenhaus aus der NS-Zeit und dem DDR-Hochhaus kam nun ein moderner Erweiterungsbau mit neuem Plenarsaal am ehemaligen Beethovenplatz hinzu. Durch drei politische Systeme baulich geprägt, soll der Landtag der Thüringer hier den demokratischen Geist unserer Zeit repräsentieren. Hierzu gehört natürlich auch der offene Umgang mit den dunklen Kapiteln seiner Geschichte, etwa den ehemaligen Gestapo-Zellen im Keller des Fraktionsgebäudes. (Fotos: Alexander Raßloff, Stadtarchiv Erfurt)


Lesetipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Landeshauptstadt, NS-Architektur, Geschichte Thüringens