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Altstadt

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Altstadt

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (11.10.2014)


Eines der größten Denkmalensembles Deutschlands

DENKMALE IN ERFURT (167): Erfurt verfügt über eine außergewöhnlich große und weitgehend intakte Altstadt.


Neben dem Rathaus zieht seit 2008 ein Bronzemodell der Erfurter Altstadt Besucher magisch an (Abb. 2). Ob individuelle Touristen, Reisegruppen oder Stadtführungen – sie alle verschaffen sich an der von Egbert Broerken und mit Unterstützung des Rotary Clubs Erfurt-Krämerbrücke geschaffenen Plastik einen Überblick. Als Tastmodell im Maßstab 1:780 mit Erläuterungen in Blindenschrift ist es auch für Sehbehinderte gut nutzbar. Es macht dabei eines deutlich: Erfurt verfügt als einstige Mittelaltermetropole über eine sehr ausgedehnte historische Innenstadt. Sie gilt als eines der größten Flächendenkmale Deutschlands. Christian Misch vom zuständigen Landesamt sieht dabei das Denkmalensemble, wie es heute korrekt heißt, gar nicht so sehr unter dem Aspekt der Größe, mit der nur wenige Städte konkurrieren können. Für ihn ist die Erfurter Altstadt wegen der bereits im 12. Jahrhundert entwickelten Struktur und der Fülle der erhaltenen Baudenkmale einfach unvergleichlich.

Dass Erfurt zu den ganz wenigen deutschen Großstädten mit erhaltener Altstadt gehört erklärt sich aus der dramatischen Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Wie vielen anderen Städten drohte auch Erfurt in der Schlussphase des Krieges die Zerstörung aus der Luft. Verhindert haben dies die US-Truppen von General George S. Patton. Sie waren so schnell auf Erfurt zu marschiert, dass ein bereits angesetzter britischer Luftangriff am 4. April 1945 noch in letzter Minute verhindert wurde. Die dicht bebaute Innenstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern wäre unweigerlich zerstört worden, tausende Menschen in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt hätten den Tod gefunden.

Auch in der DDR-Zeit drohte großen Teilen der Altstadt die Zerstörung. Diesmal war es der realsozialistische Umgestaltungswille mit Plattenbauten, dem das Historische hätte weichen sollen. Glücklicherweise wurden die Pläne aus den 1960er Jahren, die auch ein riesiges Hochhaus auf dem Petersberg vorsahen, nur ansatzweise entlang des Juri-Gagarin-Rings umgesetzt. In der Endphase der DDR-Zeit war die Altstadt erneut durch Verfall und Pläne für einen breiten Straßendurchbruch durch das Andreasviertel in akuter Gefahr. So kam es zu einer der spektakulärsten Aktionen der friedlichen Revolution. Am 10. Dezember 1989 organisierte die heutige Universitätsgesellschaft einen „Bürgerwall für unsere Altstadt“. Tausende Erfurter, geschmückt mit dem Denkmalsymbol, bildeten eine Menschenkette um die gesamte Innenstadt. Dies zeigt die tiefe Verbundenheit der Erfurter mit ihrer Altstadt, die ein Vierteljahrhundert danach schöner denn je die Gäste unserer Stadt beeindruckt. (Fotos: Alexander Raßloff)


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, DDR-Stadtumbaupläne, Universitätsgesellschaft, Bauwerke