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Via regia

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Via regia

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (26.01.2013)


Lebensader der Mittelaltermetropole

DENKMALE IN ERFURT (82): Die Via regia bildete als europäische Fernstraße eine wichtige Voraussetzung für den Aufstieg Erfurts zum Handelszentrum.


Im 11. Jahrhundert vollzog sich die Entwicklung Erfurts zur Stadt. Aus mehreren älteren Siedlungskernen bildete sich ein von einer Mauer umgebenes Gemeinwesen. Die Kreuzung wichtiger Handelsstraßen gilt dabei als entscheidende Voraussetzung für den rasanten Aufstieg zum prosperierenden Fernhandelszentrum. Als Lebensader der schließlich zu den größten und mächtigsten Städten des Reiches gehörenden Mittelaltermetropole galt insbesondere die Hohe Straße oder Via regia (Königsstraße) in Ost-West-Richtung von Paris nach Kiew. Für den Verlauf dieser mittelalterlichen „Europastraße“ nicht unwichtig waren die Furten durch die Gera. Vor der Errichtung leistungsfähiger Brücken galten diese seichten Flussübergänge als unerlässlich. Nicht zufällig standen sie wie in vielen anderen Fällen auch bei Erfurt für den Stadtnamen Pate, der vom Missionar Bonifatius 742 erstmals als „erphesfurt“ erwähnt wird.

Das entstehende Stadtgebiet wurde durch den Verlauf der großen Handelsstraßen bis heute erkennbar strukturiert. Die Via regia führte von Westen kommend über den Sattel zwischen Petersberg und Domberg in die Stadt. Dort verlief sie nach einer Gabelung unterhalb des Domsattels zum einen durch die heutige Pergamentergasse zur Furt bei der Lehmannsbrücke und weiter durch die Augustinerstraße. Der andere Zweig führte durch die Marktstraße über die Furt bei der Krämerbrücke durch die Futterstraße und Meienbergstraße zur Stadt hinaus. Später änderte sich der Verlauf teilweise durch die Anlage der Stadtmauern und ihrer Tore. So lenkte die neue Magistrale Anger und Johannesstraße den Verkehr nach Osten und Norden durch das Krämpfer- und Johannestor. Die Via regia konzentrierte sich fortan auf die Trasse von Marktstraße, Krämerbrücke, Meienbergstraße zum Krämpfertor. 1235 wurde schließlich der Verlauf statt wie bisher durch das Lauentor über den Dombergsattel nun in die Niederung des Brühls durch das Brühler Tor verlegt.

Eine von Prof. Hermann H. Saitz angeregte Initiativgruppe „Die VIA REGIA in unserer Stadt und Gemeinde“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Verlauf der mittelalterlichen Magistrale durch einheitliche weiße Schilder mit dem roten Schriftzug VIA REGIA zu markieren. Beteiligt sind mittlerweile 17 Gemeinden in Hessen, Thüringen und Sachsen. In Erfurt wurden seit 2009 schon elf Schilder angebracht. Sechs konnten aus einer Sammlung anlässlich des 70. Geburtstages von Hermann Saitz finanziert werden. Jeweils eins spendierten der Präsident der Universität Prof. Kai Brodersen an dessen Haus in der Meienbergstraße und Stadtführer Roland Büttner für die Kaufmannskirche. Die übrigen hat die Stadt beigesteuert. (Foto: Dr. Steffen Raßloff, Karte: Maximilian Dörrbecker)


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Erfurter Verkehrsgeschichte und ICE-Drehkreuz 2017