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Till Eulenspiegel Denkmal Erfurt

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Till Eulenspiegel

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (07.01.2012)


Von Professoren und Eseln

DENKMALE IN ERFURT (27): Der legendäre Narr Till Eulenspiegel foppte einst die Professoren der Erfurter Universität, obwohl diese noch gar nicht gegründet war.


Till Eulenspiegel, oder Ulenspiegel, wie er wegen seiner niederdeutschen Herkunft auch genannt wird, gilt seit dem ersten Druck des Volksbuches von 1510 als der Narr schlechthin. Wie bei allen richtigen Narren verbirgt sich hinter seinen Streichen viel intelligenter Witz, mit dem er den Reichen, Mächtigen und Klugen buchstäblich den Spiegel vorhält. Gerne nutzt er doppeldeutige Redewendungen, die er einfach wörtlich nimmt. Natürlich machte der vermutlich um 1300 geborene Wanderer durch die deutschen Lande auch in der Mittelaltermetropole Erfurt halt. Nach einem seiner Streiche befand er sich gerade auf der Flucht aus Prag. Die Sage berichtet, er habe hier großspurig wissen lassen, „jeglicher Kreatur das Lesen beibringen“ zu können. Den Professoren der Erfurter Universität kamen darüber berechtigte Zweifel. Till bot ihnen daraufhin eine Wette an, auf die sich die Gelehrten einließen. Er führte einen Esel in den Stall und legte ihm ein altes Liederbuch mit Hafer zwischen den Seiten in die Krippe. Darauf gab der Esel vor dem Umblättern mehrfach die für seine Artgenossen typischen Vokale I und A von sich. Die Professoren waren blamiert und Till kassierte die versprochenen 500 alten Schock Belohnung.

Dass zu Lebzeiten des mutmaßlich um 1350 gestorbenen Eulenspiegel die Universität noch gar nicht gegründet war, sondern erst ein Generalstudium an verschiedenen Klosterschulen existierte, tut dem Charme der Geschichte keinen Abbruch. Und sie zeigt, dass die Universität Erfurt zur Entstehungszeit des Buches um 1500 als eine der angesehensten im Reich galt, in der Eulenspiegel beispielhaft die Bildungselite aufzog.

Im Jahre 2001 bekam der feinsinnige Narr ein Denkmal in Erfurt, das auf die Esel-Geschichte Bezug nimmt. Geschaffen hat es die Bildhauerin Anke Besser-Güth. Die Stele mit dem über dem lesenden Esel kauernden Narren hat mit dem Haus „Zur Narrenschelle“ hinter dem Rathaus einen idealen Platz gefunden. Seit 2000 ist hier die Gemeinschaft Erfurter Carneval GEC zu Hause. Darauf weisen das Namensschild und das Hauszeichen mit einer vergoldeten Schelle hin. Ein Wandbild von Erich Enge am Giebel führt ein buntes Treiben rund um Karneval, Fasching und Eulenspiegeleien vor Augen.

Übrigens treibt Eulenspiegel noch heute seine tiefsinnigen Späße mit den Erfurtern. Eine Stimme hierfür verleiht ihm regelmäßig Christiane Weidringer vom Erfurter Figurentheater. Ihr Till darf sich bald auch in der neuen Ausstellung des Stadtmuseums mit bedeutenden Persönlichkeiten der Erfurter Geschichte unterhalten. Man ahnt schon, dass dies nicht ohne Spott und Ironie abgehen wird – eben Geschichte mit einem Augenzwinkern. (Foto: Dr. Steffen Raßloff)


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Sie auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Universität Erfurt, Mittelaltermetropole Erfurt, Stadtmuseum Erfurt