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Straßenbahn Erfurt

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Erfurter Straßenbahn

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (15.12.2012)


Pionierzeit der Straßenbahn

DENKMALE IN ERFURT (76): Das alte Straßenbahndepot in der Magdeburger Allee erinnert an die Anfänge der Stadtbahn.


Im kommenden Jahr kann die EVAG auf 130 Jahre Erfurter Straßenbahn zurück blicken. Man darf dies getrost als eine Erfolgsgeschichte bezeichnen. Über alle historischen Umbrüche, Krisen und städtebaulichen Neuentwicklungen hinweg hat sich das Netz kontinuierlich ausgedehnt. Heute misst es 58 km Streckenlänge, auf denen modernste Fahrzeuge verkehren. So manche deutsche Großstadt, die im automobilen Fortschrittsglauben ihre Straßenbahnnetzte verkleinert oder ganz abgeschafft hat, schaut heute neidisch auf Erfurt. Vor diesem Hintergrund lohnt ein Blick zurück zu den Anfängen.

Mit der rasanten Vergrößerung Erfurts im Industriezeitalter war die Schaffung eines neuen öffentlichen Verkehrsmittels immer dringlicher geworden. 1880 begann Oberbürgermeister Richard Breslau die ersten Verhandlungen mit potenziellen Betreibern einer Straßenbahn. Die Wahl fiel auf die Firma Marcks & Balke aus Magdeburg. Da seit 1881 in Berlin die erste elektrische Straßenbahn erfolgreich verkehrte, wollte man auf dieses modernste Verkehrsmittel der Zeit zurückgreifen. Aus technischen Gründen musste die „Erfurter Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft“ jedoch erst einmal mit Pferdewagen beginnen. 1894 erfolgte die Umstellung auf elektrischen Betrieb. Die ersten Bahnen der „roten Linie“ ratterten von der Flurgrenze zu Ilversgehofen über den Anger bis zur Flora. Die „grüne Linie“ verkehrte vom Anger bis zum Schießhaus, der heutigen Endstation Thüringenhalle. Wenig später öffnete die „gelbe Linie“ von der Andreasstraße bis zum Bahnhof. Damit war ein Grundstock gelegt, der bereits im Ansatz auf die heutigen Strukturen des Streckennetzes voraus weist.

Die Erfurter hatten an den Arbeiten am Schienennetz und am Depot in der damaligen Magdeburger Straße großen Anteil genommen. Am Pfingstsonntag, dem 13. Mai 1883, nahm die Erfurter Pferdebahn ihren Betrieb auf. Es herrschte Festtagsstimmung. In der Zeitung war zu lesen: „Wohl keine neue Einrichtung in unserer Stadt, weder Gaslicht noch Wasserleitung etc., hat unter der Einwohnerschaft solche weitgehende Aufregung verursacht, ist von Jung und Alt auf so freudige Weise begrüßt worden, wie die Erfurter Straßen-Eisenbahn.“ Das alte Depot unmittelbar südlich des modernen Stadtwerke-Verwaltungsbaus steht als Denkmal für diese Pionierzeit der Erfurter Straßenbahn. Im Pflaster vor der Einfahrt zur Wagenhalle hat man ein Stück Schiene zur Erinnerung belassen. Über dem Eingang zum weiß verputzten und mit roten Klinkern verzierten Verwaltungsgebäude findet sich eine historische Erinnerungsmarke. Die Schmiedearbeit zeigt die Initialen M und B für die Erbauerfirma und die Jahreszahl 1883.


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Geschichte der EVAG