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Oberbürgermeister Bruno Mann

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Oberbürgermeister Bruno Mann

Aus der Serie Erfurter Oberbürgermeister der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (18.03.2006)


Oberbürgermeister Bruno Mann (1919-1933)

Bruno Mann steht als 1919 bis 1933 amtierender Oberbürgermeister für die bewegte Zeit der Weimarer Republik. Neben wirtschaftlich-soziale Krisen, politischen Radikalismus und Bürgerkrieg fallen in diese Zeit auch kulturelle Höhepunkte und städtebauliche Weiterentwicklung. Als liberaler Stadtvater versuchte Mann die Spannungen der Zeit auszugleichen, was freilich nicht immer gelang. 1933 drängten ihn die Nationalsozialisten aus dem Amt.


Bruno Mann wurde 1874 in Frankfurt/O. in der preußischen Provinz Brandenburg geboren. Nach verschiedenen Karrierestationen stieg er im Juni 1918 zum 2. Bürgermeister der noch selbstständigen Stadt Neukölln bei Berlin auf. Am 11. Oktober 1919 wählte die Erfurter Stadtverordnetenversammlung den studierten Rechts- und Staatswissenschaftler einstimmig zum Oberbürgermeister.

Mann übernahm sein Amt in sehr unruhiger Zeit. Seit der Novemberrevolution 1918 war die Stadt von Streiks und Unruhen erschüttert worden. Der Kapp-Putsch vom Frühjahr 1920 bildete den Höhepunkt der bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen zwischen linker Arbeiterschaft auf der einen, Bürgerwehr, Polizei und Militär auf der anderen Seite. Acht Tote und zahlreiche Verletzte waren zu beklagen. Die Bemühungen von OB Mann und Vertretern der gemäßigten Parteien im Stadtrat, die Situation zu entschärfen, blieben erfolglos.

Erst ab 1924 kam es wieder zu einer Beruhigung der Situation, die mit dem relativen wirtschaftlichen Aufschwung der „Goldenen Zwanziger“ verbunden war. Die Stadt verwirklichte kommunale Großprojekte wie das Nordbad (1925) und das Stadion (1929). Das Städtische Museum wurde mit Unterstützung Manns zu einem Zentrum moderner Kunst. 1929 gelang es sogar, Erfurt mit einer Pädagogische Akademie wieder zur Hochschulstadt zu machen. Am 1. Dezember 1929 schrieb die „Mitteldeutsche Zeitung“ über Bruno Mann: „Ihm hat die Bürgerschaft tief zu danken, daß trotz der Nachkriegs- und Inflationsnöte Erfurt einen Aufschwung genommen hat, wie ihn nur wenige deutsche Städte zu verzeichnen haben.“

Um so unerbittlicher schlug die Weltwirtschaftskrise ab Ende 1929 auch in Erfurt zu. Zahlreiche Unternehmen mussten schließen oder Mitarbeiter entlassen. Das öffentliche Leben brach weitgehend zusammen, sogar die Pädagogische Akademie wurde schon 1932 wieder geschlossen. Im Sommer 1932 war mehr als jeder Dritte Erfurter arbeitslos. Vor diesem Hintergrund konnte auch der erfahrene Kommunalpolitiker Mann keine positiven Impulse mehr setzen, zumal der Stadt längst kein ausgeglichener Haushalt mehr gelang.

Die tiefe Krisenstimmung und das Wiederaufleben der Unruhen mit Saal- und Straßenschlachten ließ die Nationalsozialisten v.a. für große Teile des Bürgertums schließlich als letzten Ausweg erscheinen. Mit 42,2 % stieg die NSDAP in der Reichstagswahl vom Juli 1932 in Erfurt zur weitaus stärksten Partei auf. Die „Machtergreifung“ Hitlers vom 30. Januar 1933 stieß so durchaus auf die Zustimmung breiter Bevölkerungskreise.

Bruno Mann ließ sich wohl auch ein Stück weit von der Aufbruchstimmung mitreißen, so sehr er der NSDAP skeptisch gegenüber stand. Am 31. März 1933 sprach er zu den Stadtverordneten, er wolle „in feierlicher Weise den neuen nationalen Geist auch in unsere städtische Verwaltung, in unser Rathaus, Einzug halten lassen“. Am 18. Juni 1933 hielt der „nationale Geist“ tatsächlich im Rathaus Einzug. Nach einer Massenkundgebung vor tausenden begeisterten Erfurtern trug sich Ehrenbürger Adolf Hitler ins Goldene Buch der Stadt ein. Bruno Mann war freilich kein Oberbürgermeister mehr. Die neuen Machthaber hatten ihn zuvor in den Ruhestand gedrängt und den Nationalsozialisten Theodor Pichier an seine Stelle gesetzt. (Foto: Stadtarchiv Erfurt)


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Weimarer Republik