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Nordpark Erfurt

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Nordpark

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (15.02.2014)


Lebendiges Gartendenkmal

DENKMALE IN ERFURT (137): Seit mehr als 90 Jahren erfüllt der Nordpark seine Funktion als anspruchsvoll gestalteter Volkspark.


Der Nordpark ist nicht nur die grüne Lunge der nördlichen Erfurter Vorstädte, er ist zugleich bedeutendes Gartendenkmal und beliebter Freizeittreff. Die Anlage trägt die Handschrift des verdienstvollen Gartenbaudirektors Max Bromme, der bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg den Weg mit viel Engagement hierfür frei machte. Der Park entstand trotz späterer Umplanungen weitgehend nach seinem Entwurf von 1912. Allerdings konnten die Arbeiten erst nach dem Krieg bis 1927 fertig gestellt werden. Mit der Einweihung des Nordbad-Eingangsgebäudes im Bauhaus-Stil 1929 hatte die Parkanlage ihre Abrundung gefunden.

Gartendenkmalpfleger wie Dr. Martin Baumann vom Landesamt für Denkmalpflege messen dem modernen „Volkspark“ mit „seinen großzügigen Wiesenflächen in Verbindung mit diversen Spiel- und Sporteinrichtungen“ eine hohe historische Bedeutung zu, unterscheidet er sich doch deutlich von älteren, eher dekorativen Stadtparks. Bromme, später erfolgreicher Gartenbaudirektor in Frankfurt am Main, gehörte zu jener neuen Generation von Gartenarchitekten, die in ihre Arbeit soziale Aspekte breit einfließen ließen. Zu seinem Erfurter Hauptwerk erklärte er: „Der Zweck des Nordparkes wird sein, für die Bevölkerung der dem Steigerwald abgewendeten Stadtteile freie Erholungs- und Bewegungsmöglichkeiten zu geben.“ Dabei dachte er an die unterprivilegierten Arbeiter und Kleinbürger des nördlichen „Blechbüchsenviertels“. Jene Bevölkerungsmehrheit, die nicht im gutbürgerlichen Südwesten in mondänen Villen und gehobenen Quartieren wohnte, sollte auch die Chance auf eine unkomplizierte Freizeitgestaltung im Grünen bekommen. Bei allem sozialen Wandel wird der Nordpark dieser Funktion seit nunmehr gut 90 Jahren voll und ganz gerecht.

Vor diesem Hintergrund regt sich Widerspruch gegen das Vorhaben, den Nordpark während der Bundesgartenschau 2021 einzuzäunen und Eintritt zu erheben. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten sind hier sachlich gegen die „freien Erholungs- und Bewegungsmöglichkeiten“ abzuwägen, wie sie den Park von Beginn an auszeichnen. Tausende von Parkbesucher, nicht zuletzt Jugendliche, Studenten und junge Familien, verbringen hier im Sommer gerne ihre Freizeit mit Sonnenbad, Sport und Picknick. Zugleich hat die Stadt bisher wegen des Charakters des Volksparks mit seiner großen denkmalpflegerischen Bedeutung jegliche Einzäunung auch nur von Teilen, etwa der Hundefreilauffläche, grundsätzlich abgelehnt. Diese Aspekte gilt es zu berücksichtigen, will man den Nordpark auch 2021 als lebendiges Gartendenkmal von überregionaler Bedeutung präsentieren. (Foto: Michael Sander)


Literaturtipps:

Martin Baumann: Der Nordpark. Ein Volkspark in Erfurt. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 69 (2008). S. 140-159.

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Bundesgartenschau 2021, Nordbad, Weimarer Republik, Gedenktafel für Ferdinand Schmidt, Lutherschule, Stadtpark