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Gedenktafel Hochwasser 1374

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Hochwasser 1374

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (24.08.2013)


Ein grosses Gewässer in Erffurth

DENKMALE IN ERFURT (112): An das Hochwasser von 1374 erinnern eine Gedenktafel und ein historischer Gedenkstein am Brühler Garten.


Erfurt wurde über Jahrhunderte immer wieder von verheerenden Hochwassern heimgesucht. Sei es das Schmelzwasser aus dem Thüringer Wald, das die Gera von Süden her heran trägt, seien es Gewitter und langanhaltende Regenfälle – stets drohte Land unter. In der dicht bebauten Stadt, umgeben von zwei Mauerringen, gab es für die Gera mit ihren vielen Armen und künstlichen Läufen kaum Ausdehnungsmöglichkeiten. Erst die Entfestigung der Stadt nach der Reichsgründung 1871 und der folgende Bau des Flutgrabens 1890 bis 1898 haben diese Gefahr weitgehend gebannt. Wenn Erfurt heute bei den großen Hochwasserkatastrophen glücklicherweise kaum im Fokus der Medien steht, verdankt sich dies dem umsichtigen Handeln der Stadtväter vor über einem Jahrhundert. Hierfür hat man Oberbürgermeister Richard Breslau nahe dem Flutgraben in der Löberstraße mit einem Denkmal geehrt.

Ein anderes Denkmal steht für jene vielen Überschwemmungen in Erfurt vor der segensreichen Anlage des Flutgrabens. Der Historiker und Hochwasserexperte Dr. Mathias Deutsch hat jene Ereignisse von 1374 rekonstruiert, an die eine Gedenktafel an der Stadtmauer am Brühler Garten erinnert. Im Februar 1374 liefen im mitteldeutschen Raum durch plötzliches Tauwetter schwere Winterhochwasser ab, von denen auch die Gera betroffen war. Weite Teile des damals noch kaum bebauten Brühls standen unter Wasser. Neben der großen Wassermenge war hierfür auch der Rückstau vom Einlass in die Stadt am sogenannten Rosswehr der inneren Stadtmauer verantwortlich. Verständlicherweise hatte man die Bögen über der Gera eng bemessen, damit im Verteidigungsfall keine Schwachstelle entstand. Vor der Überschwemmung hat dies freilich das Gebiet innerhalb des Mauerrings nicht geschützt.

Zur Erinnerung an das schwere Hochwasser von 1374 wurde an dem inneren Teil der Doppelmauer eine Gedenktafel eingelassen, wie laut Mathias Deutsch aus einer Chronik des 18. Jahrhunderts hervor geht. Das „grosse Gewässer in Erffurth“ blieb so neben einigen anderen extremen Überschwemmungen im Gedächtnis. Durch den Bau des Aktienbades bzw. Herrmannsbades 1879 wurde allerdings ein Teil der Tafel überdeckt. Während Sanierungsarbeiten an der Stadtmauer in den 1990er Jahren wurde die Tafel abgenommen und eine Kopie erstellt. Diese fand 2000 zusammen mit einer modernen Gedenktafel am äußeren Teil der Doppelmauer nahe der Straßenbahnhaltestelle Brühler Garten ihren Platz. Dieses bedeutsame Kleindenkmal, laut Deutsch die älteste bisher bekannte Inschrift in dieser Form in ganz Thüringen, erinnert seither beispielhaft an die großen Hochwassernöte von einst. (Fotos: Alexander Raßloff)


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Flutgraben, Richard Breslau, Dr. Mathias Deutsch