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Friedrich Schiller

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Friedrich Schiller

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (17.11.2012)


Der kranke Dichter

DENKMALE IN ERFURT (72): Friedrich Schiller war Erfurt und seinem Mainzer Statthalter Dalberg eng verbunden.


Es war die Liebe, die Friedrich Schiller nach Erfurt führte. 1787 hatte der in Weimar ansässig gewordene Dichter in Rudolstadt Bekanntschaft mit den Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld gemacht. Nach und nach erwuchs hieraus eine tiefe Zuneigung, wobei sich Schiller mit der Entscheidung zwischen den beiden Schwestern sehr schwer tat. Die Verlobung mit der jüngeren Charlotte fand 1789 im Hause des Erfurter Akademie-Präsidenten Karl Friedrich von Dacheröden am Anger statt. Die Schwestern Lengefeld gehörten ebenso wie die mit ihnen befreundete Tochter Dacherödens und spätere Gattin Wilhelm von Humboldts, Caroline von Dacheröden, zum Kreis um den kurmainzischen Statthalter Karl Theodor von Dalberg. Der geistreiche Stellvertreter des Mainzer Erzbischofs wurde von den Damen umschwärmt, die Lengefelds nannten ihn ihren „Goldschatz“.

Dalberg und Schiller fanden rasch aneinander Gefallen. Der Dichter wiederum hoffte durch den einflussreichen neuen Mentor seine Situation zu verbessern. Er war unzufrieden mit der 1789 aufgenommenen Tätigkeit als unbesoldeter Professor für Geschichte an der Universität Jena und noch immer auf der Suche nach einem festen Einkommen, das seine dichterische Freiheit nicht allzu sehr einschränkte. Dalberg hatte ihn zudem in seiner Berufung als Künstler bestärkt. Allerdings gelang es dem Statthalter nicht, Schiller in einer sicheren Position unterzubringen. So sollte es wenig später im benachbarten Weimar zu jener einmaligen künstlerischen Kooperation mit Johann Wolfgang von Goethe kommen, die Schiller auch die Existenzsorgen nahm.

Zuvor kam es aber noch zu einem längeren Kuraufenthalt in Erfurt, wo man bereits seit der ersten Aufführung der „Räuber“ 1782 die Werke Schillers immer wieder auf die Bühne brachte. Die Anerkennung äußerte sich auch in der Aufnahme in die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Während einer Sitzung der Akademie hatte Schiller heftiges Fieber überfallen. Kaum nach Jena zurück gekehrt, brach die Krankheit mit voller Wucht aus. Vermutlich machte sich hier erstmals die zu seinem frühen Tode 1805 führende Tuberkulose bemerkbar. Vorerst nach einer Kur in Karlsbad halbwegs genesen, erholte sich Schiller mit seiner Frau Charlotte im August und September 1791 im „Haus zum Bürgerstreit“ auf der Langen Brücke 36. Während der sieben Wochen nahm er die Arbeit an der „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ wieder auf. Hieran erinnert die Gedenktafel über der Torfahrt des Gebäudes nahe der Dalbergschen Statthalterei am Hirschgarten. Schiller blieb auch in den folgenden Jahren Erfurt verbunden und kam bis 1803 noch mehrmals hierher zu Besuch.


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Dalberg, Goethe, Humboldt