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Deutscher Orden Comthurhof Erfurt

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Comthurhof

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (22.12.2012)


Die Kreuzritter

DENKMALE IN ERFURT (77): Der Deutsche Ritterorden war über fünf Jahrhunderte in der heutigen Comthurgasse präsent.


Denkt man an Ritterorden, dann fallen wohl den meisten von uns die mittelalterlichen Kreuzzüge und spektakuläre Schlachten wie die auf den Peipussee oder bei Tannenberg ein. Auch der bis heute bestehende Deutsche Orden oder Ordo Teutonicus (OT) geht in die Zeit der Rückeroberungsversuche des Heiligen Landes zurück. Während des III. Kreuzzuges um 1200 als geistlicher Orden entstanden, baute er im Spätmittelalter seinen eigenen Staat im Baltikum auf. Nach der Reformation und dem Aufgehen des selbstständigen Ordensstaates in Preußen behielt der Deutsche Ritterorden jedoch eine nicht unerhebliche Bedeutung. Als Territorialherren unter einem Hochmeister konsolidierten sich die mit reichem Grundbesitz im ganzen Reich ausgestatteten Ordensritter.

Äußeres Zeichen ihrer Macht und ihres Wohlstandes waren die prächtigen Sitze der Balleien und Kommenden. So wurden die Verwaltungseinheiten unter der Führung eines Landkomturs bzw. Komturs genannt. Von dieser Blütezeit des Ordens kündet auch der Comthurhof in der Comthurgasse. Schon 1251 war das Grundstück als regionaler Verwaltungssitz und Wirtschaftshof an den Deutschen Orden übergegangen. 1573 wurde der vor wenigen Jahren aufwändig sanierte Renaissance-Prachtbau errichtet, in dem sich das Selbstbewusstsein der Ritter spiegelt. Die Wappen über dem Torbogen, in denen das schwarze Kreuz auf weißem Grund auftaucht, sind so gewissermaßen zum Denkmal des Ordens in Erfurt geworden. Es handelt sich hierbei um die Wappen des Landkomturs von Rehen, des Hofmeisters Wolfgang Schutzbar und des Komturs Franz von Hatzfeld. Eine enge Bindung gab es zur nahen Nikolaikirche mit ihren wertvollen Wandmalereien zur Heiligen Elisabeth.

Nach über 500 Jahren im Besitz des Ordens erfolgte 1787 die Abtretung des Comthurhofes an den Mainzer Erzbischof. Zunächst wurde hier das Pfarrhaus der Schottengemeinde untergebracht, 1855 erfolgte schließlich der Verkauf an Privathand. Mit dem Verkauf des Comthurhofes und der Säkularisierung nach 1800 ist der Deutsche Orden aber keineswegs verschwunden. Auch in Erfurt ist er mit seiner karitativen Arbeit bis heute präsent. Das Deutschordens-Seniorenhaus im Rieth gehört zu den vier Standorten der Altenpflege in Deutschland neben Köln, Lindlar und Jena. Neben den insgesamt rund 300 Priestern und Schwestern engagieren sich auch etwa 700 Familiaren in dem Orden. Einige dieser weltlichen Mitglieder sind auch in Erfurt aktiv.


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt