Buchenwaldblick Erfurt
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Buchenwaldblick Erfurt
Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (10.12.2011)
Der Buchenwaldblick
DENKMALE IN ERFURT (23): Auf einer ehemaligen Batterie der Festung Cyriaksburg findet sich ein etwas verstecktes Mahnmal mit Blick zur Gedenkstätte Buchenwald.
Auf die ehemaligen Festungswerke rund um die Kernfestung macht etwa das Restaurant „Caponniere“ aufmerksam. Nicht weit von hier befand sich eine Terrassenbatterie mit Geschützen, mit denen das Geratal und der Steiger beschossen werden konnten. Nach der Aufgabe solcher Außenanlagen der Zitadelle lag die Umwidmung des kriegerischen Ortes zum Aussichtspunkt nahe. Zunächst bezeichnete man ihn wohl auch mit Blick auf seine Geschichte als Grolmannshöhe. General Wilhelm von Grolman war von 1882 bis 1888 Kommandeur der 8. Division in Erfurt. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Teilfreigabe des Geländes nach der Entfestigung Erfurts 1873, so dass in den 1880er Jahren erste Grünanlagen angelegt werden konnten.
In Vorbereitung der „iga ´61“ wurde auch dieser Bereich umgestaltet. Seitdem steht hier als Mahnmal der „Rufer“ von Fritz Cremer. Es handelt sich dabei um die verkleinerte Replik einer Plastik, die der renommierte Bildhauer ursprünglich für die Figurengruppe des Buchenwald-Denkmals auf dem Ettersberg geschaffen hatte. Im Führer für die iga von 1961 wird der etwas abseits der Besucherströme liegende Aussichtspunkt jetzt als Buchenwaldblick bezeichnet, lässt sich doch östlich in der Ferne der Gedenkstätten-Glockenturm auf dem Ettersberg erkennen. Dieser Bezug spiegelt die große Bedeutung der wenige Jahre zuvor eröffneten KZ-Gedenkstätte für den antifaschistischen Gründungsmythos der DDR. Er ist aber bis heute auch eine Verneigung vor den 56.000 Opfern des NS-Terrorortes. Dies gilt umso mehr, als das Wissen um die Verstrickung des Erfurter Unternehmens „Topf & Söhne“ in den Holocaust in den letzten Jahren gewachsen ist. Auch im Krematorium des KZ Buchenwald findet sich auf den Leichen-Verbrennungsöfen das Logo jener Erfurter Firma, die als „Ofenbauer von Auschwitz“ traurige Bekanntheit erlangt hat.
Siehe auch Geschichte der Stadt Erfurt, Blumenstadt Erfurt, Erinnerungsort Topf und Söhne, Gedenkstätte Buchenwald
