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Adelheid Daniel Sprachheilkindergarten Erfurt

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Adelheid Daniel

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (26.10.2013)


Verdiente Pädagogin

DENKMALE IN ERFURT (121): Adelheid Daniel hat 1952 in Erfurt den ersten Sprachheilkindergarten Thüringens gegründet.


Ihr Name besitzt bei vielen Erfurtern noch immer einen guten Klang. Adelheid Daniel, geb. North (1925-2003) hat über Jahrzehnte Pionierarbeit bei der Erziehung sprachgestörter Kinder geleistet. Als Tochter des bekannten Nudelfabrikanten Gerhard North besuchte sie die Erfurter Goethe-Oberschule für Mädchen und schlug den Weg einer Kindergärtnerin ein. Am 17. März 1952 konnte die gerade 27-jährige Pädagogin den ersten Sprachheilkindergarten Thüringens als Leiterin eröffnen. Hieran erinnert an dessen erstem Domizil im Haus zur Narrenschelle hinter dem Rathaus eine Gedenktafel. Mit einem Zusatzstudium für Rehabilitationspädagogik an der Humboldt-Universität Berlin qualifizierte sich Adelheid Daniel weiter und gab der Sprachheilkunde neben ihrer Leitungstätigkeit viele Impulse.

1990 in den Ruhestand versetzt, blieb sie ehrenamtlich ihrer Berufung treu. 2005 ehrte die Stadt Erfurt auf Initiative ihres Ehemannes Herbert Daniel die verdiente Pädagogin mit besagter Gedenktafel an der Stadtmünze 13. Als Tochter und Nichte von Gerhard und Hans North, Besitzer der 1948 enteigneten Nudelfabrik und Villa in der Liebknechtstraße, kämpfte Adelheid Daniel nach 1990 auch um ihr Familienerbe. Durch die Grundsatzentscheidung im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands, Enteignungen durch die sowjetische Besatzungsmacht nicht rückgängig zu machen, blieb ihr allerdings diese Genugtuung verwehrt. Auch die Auflösung der Erfurter Sprachheilschule „Janusz Korczak“, der der Sprachheilkindergarten später als Vorschulteil angegliedert war, im vergangenen Jahr hätte ihr gewiss nicht gefallen.

Die Pädagogik war Adelheid Daniel in gewissem Sinne schon in die Wiege gelegt worden. Stolz verwies man in der Familie North auf die verwandtschaftlichen Verbindungen zu Friedrich Fröbel, Begründer des ersten deutschen Kindergartens in Bad Blankenburg 1840. Dessen Bruder Christoph Fröbel, Pfarrer zu Griesheim, hatte die Tochter seines Kollegen Johann Gerhard North geheiratet. Nach dem frühen Tod des Bruders 1813 übernahm Friedrich Fröbel auf Bitten der Witwe die Rolle des Vaters für die drei unmündigen Söhne. 1817 nach Keilhau umgezogen, begann Fröbel dort die Grundlagen frühkindlicher Pädagogik zu erarbeiten. Zugleich gibt es noch weitere interessante familiäre Verknüpfungen der gebürtigen Fabrikantentochter Daniel. So betrieben ihr Großvater und Urgroßvater einst die Tabakmühle im Hof des heutigen Restaurants „Zum Güldenen Rade“ in der Marktstraße, seit der Wende Sitz des ZDF-Landesstudios.


Literaturtipp:

Steffen Raßloff: 100 Denkmale in Erfurt. Geschichte und Geschichten. Mit Fotografien von Sascha Fromm (Thüringen Bibliothek. Bd. 11). Essen 2013.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Nudel-Unternehmerfamilie North