Johannes Andreas August Grabau

Johannes Andreas August Grabau

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Theologe geboren am 18.03.1804 in Olvenstedt bei Magdeburg gestorben am 02.06.1879 in Buffalo, USA

Seine Eltern waren Johann Andreas Grabau und Anna Dorothea geb. Jericho

Grabau begann zu Michaelis 1825 sein Theologiestudium in Halle, bestand am 29.06.1829 sein 1. Theologisches Examen und am 13./14.05.1830 die Prüfung für den Schuldienst. Am 14.10.1831 wurde er Lehrer an der Mädchenschule in Magdeburg, im August 1832 Rektor der Schule in Sachsa.

Am 20.02.1833 bestand er sein 2. Theologisches Examen. Nach eine Probepredigt am 16.02.1834 in Erfurt wurde am 03.05.1834 seine Berufung an die Andreaskirche vom Magistrat der Stadt bestätigt. Ordiniert wurde Grabau am 17.06 1834 durch Senior Johann Friedrich Möller in der Barfüßerkirche. Am 22.06.1834 fand seine Einführung in der Andreaskirche statt.

Am 11.09.1836 erklärte er öffentlich im Gottesdienst, die neue preußische Unions-Agende nicht mehr gebrauchen zu können, weder für die Abendmahlsfeier, noch für Taufen oder andere Amtshandlungen, weil sie das lutherische Bekenntnis leugne oder abschwäche. In der folgenden Woche wurde ihm daraufhin seine Suspension und das Verbot, seine Kirche zu betreten von einem Polizeikommissar überbracht. Am 18.09.1836 wurde die Andreaskirche von Polizei umstellt, um ihn daran zu hindern, Gottesdienst zu halten. Zunächst trafen sich die Gemeindeglieder, die Grabau folgen wollten, im Pfarrhaus. Bald wurde auch das verboten. Der Mühlenbesitzer Friedrich Filss stellte das oberer Stockwerk seiner Storchmühle für Gottesdienste zur Verfügung. (Informationen stammen aus einem Vortrag zum 170-jährigen Gemeindejubiläum der Christus – Kirchengemeinde Erfurt, gehalten am 07.10.2006).

Sein größter Widersacher in Erfurt war der Pfarrer und Senior Johann Friedrich Möller.

Grabau gilt als Gründer der Altlutherischen Gemeinde Erfurts, die spätere Christusgemeinde.

Verfolgt und wiederholt mit Gefängnis bestraft, entschloss er sich im Sommer 1839 mit etwa 1.000 Anhängern zur Auswanderung nach Nordamerika und ließ sich in und um Buffalo nieder. Mit seinen Anhängern gründete er die heute noch im Großraum Buffalo bestehnde Dreifaltigkeitsgemeinde. Grabau blieb ihr Pfarrer bis an sein Lebensende.

Am 15.07.1845 gründete er mit vier Pastoren die "Synode der aus Preußen eingewanderten Lutheraner", die sich später "Buffalosynode" nannte. Ihre theologische Lehranstalt war das "Martin-Luther-Kollegium" in Buffalo.

Grabau vertrat einen extremen lutherischen Amtsbegriff, wonach das Amt der Gemeinde übergeordnet ist, während Karl Ferdinand Wilhelm Walther, der Mitbegründer und Führer der 1847 gegründeten "Missourisynode", erklärte, das Predigtamt sei das "in Funktion gesetzte allgemeine Pristertum". Wegen der Lehre von Kirche und Amt entbrannte zwischen den beiden streng lutherischen Synoden ein heftiger Streit, der 1866 durch das "Kolloquium" mit der "Missourisynode" zu einem vorläufigen Abschluss kam: 11 Pastoren der "Buffalosynode" schlossen sich nach diesem Kolloquium der "Missourisynode" an, während sich Grabau mit dem geringen Rest für die Fortsetzung der alten "Buffalosynode" erklärte. Er führte danach mit den ihm treu gebliebenen Gemeinden das 1840 in Buffalo gegründete Martin-Luther-Kollegium weiter und gab neben dem Kirchenblatt "Die wachende Kirche" auch Synodalbriefe, ein Gesangbuch und eine Agende heraus.

Am 15.07.1834 hatte er Christine Sophia Burggraf in der Barfüßerkirche geheiratet.

Kinder: Wilhelm Grabau, geboren am 23.01.1835 in Erfurt, gestorben am 29.11.1906

Johannes J. Grabau, geboren am 23.03.1842 in Buffalo, Pfarrer; gestorben am 31.07.1914 in Wheatfield

Rudolph J. Grabau, geboren am 05.05.1845 in New York; gestorben am 25.03.1867 in Buffalo

Beata Grabau, geboren im Oktober 1846 in New York; gestorben 1929



Artikel von Autor Martin Stolzenauau: "Magdeburger Volksstimme" vom 22.8.2004:

Olvenstedter wurde zum umstrittenen Kirchenführer in Nordamerika

Der Theologe Johannes Andreas Grabau, an dessen Wirken zum 200. Geburts- und 125. Todestag erinnert werden soll, erwarb sich schon früh den Ruf eines überaus begabten Kanzelredners und aufopferungsvollen Seelsorgers. Doch im theologischen Richtungs-Streit seiner Zeit, bei dem er einen strikt lutherischen Kurs vertrat und eine große Eigenwilligkeit entwickelte, kollidierte er mit seinen kirchlichen Vorgesetzten,

Magdeburg. Diese Kollision brachte ihm die Entlassung und dann auch Haftstrafen, ehe er mit Gleichgesinnten nach Nordamerika auswanderte, wo er zum umstrittenen Kirchenführer der so genannten "Buffalo-Synode" avancierte. Damit schrieb er in den jungen USA gewissermaßen Kirchengeschichte.

Grabau wurde am 18. März 1804 in Olvenstedt (heute zu Magdeburg) geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Bauer, der ihm eine umfangreiche Schulbildung ermöglichte. Zunächst absolvierte der vielseitig interessierte Knabe das Domgymnasium in Magdeburg, ehe er 1825 in Halle ein Theologiestudium aufnahm.

Ab 1830 fungierte der Jung-Theologe in Magdeburg und dann in Sachsa als Lehrer. 1934 wurde Grabau zum Pfarrer von St. Andreas nach Erfurt berufen. Vor dem Hintergrund dieser materiellen Sicherstellung heiratete er im gleichen Jahr die Kanzlistentochter Christiane Sophie Burggraf. Doch da er sich im Theologen-Streit als orthodoxer Lutheraner erwies, der keine Kompromisse einging und sich schließlich auch weigerte, die unierte Liturgie weiter zu benutzen, begab er sich in seiner Amtsführung auf Glatteis. Seine sonstige Milde, seelsorgerische Umsicht und Kanzelbegabung halfen ihm nicht, als er auf seine Orientierung beharrte. Grabau wurde als Pfarrer von St. Andreas in Erfurt abgesetzt. Doch das machte ihn nur noch hartnäckiger. Für seine nicht unbeträchtlichen Anhänger hielt er in Privathäusern Gottesdienst. Die Kirchenoberen drangen auf Strafe. Der Staat war gefordert. Grabau wurde wiederholt verhaftet und letzlich verurteilt. Auf den eigenwilligen Theologen wartete das Gefängnis. Doch auch hier hatte er Anhänger.

Mit Unterstützung des Hauptmanns Heinrich von Rohr, der dann aus dem preußischen Dienst entlassen wurde, gelang Grabau die Flucht. Danach einigten sich beide Parteien, der Theologe mit seiner Anhängerschar und die preußische Regierung, auf einen Kompromiss. Den rund 1000 Abweichlern wurde mit Grabau und Rohr die Ausreise nach den USA erlaubt. Fünf Schiffe brachten die Unruhestifter in die Neue Welt, wo sie sich 1839 um Buffalo niederließen. Die unierte Kirche war mit dieser Lösung zufrieden. Die preußische Regierung hatte einen Unruheherd weniger. Und Grabau jubelte mit seinen Jüngern über den salomonischen Ausweg.

Der selbst ernannte Bewahrer der lutherischen Kirche gründete in Buffalo die Dreifaltigkeitsgemeinde, deren Hauptpfarrer er bis an sein Lebensende blieb. Nach seinen Vorstellungen sollten sich alle lutherischen Gemeinden in Nordamerika zu einer strikt lutherischen Synode zusammenschließen.

Doch seine Orthodoxie, sein Führungsanspruch und seine Unfähigkeit, Andersdenkende zu integrieren, brachten das kirchenpolitische Großprojekt zum Scheitern. So beschränkte sich seine Kirche auf die "aus Preußen ausgewanderte lutherische Kirche" mit Hauptsitz Buffalo, die deshalb auch als "Buffalo-Synode" in die Geschichte einging. Unbeschadet der Rückschläge in der Neuen Welt setzte Grabau seine kompromisslose Haltung auch nach der Beschränkung auf Buffalo und Umgebung fort. So attackierte er wegen ritueller Auslegungsfragen die viel größere Missouri-Gemeinde seines Konkurrenten Walther. Das war dann auch seinem bisherigen Gefolgsmann Rohr zu viel, der sich mit anderen Gläubigen von Grabau lossagte. Doch der Oberhirte von Buffalo blieb sich auch weiter treu. Er betrieb mit dem Rest seiner Anhänger das "Luther-Seminar", gab eine Kirchen-Zeitung und ein Kirchen-Gesangbuch heraus.

Er galt schließlich als "Senior Ministerii" seiner "Buffalo-Synode". In dieser Stellung starb er vor 125 Jahren, am 2. Juni 1879, in Buffalo.