Gedenktafel 1848 Angermuseum Erfurt: Unterschied zwischen den Versionen

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Auch die Gedenktafel am Angermuseum interpretiert Sabine Hahnel als zurückhaltenden Kompromiss zwischen SED und Bürgerparteien. Sie wurde auf den Tag genau 100 Jahre nach den Straßenkämpfen von Oberbürgermeister Georg Boock (SED) am 24. November 1948 feierlich enthüllt. Der Text erinnert an die blutigen Kämpfe „für Freiheit und Einheit Deutschlands“. Aufgezählt werden die 13 Opfer aus der Bürgerschaft, überwiegend Handwerker. Der Tafel fehlt noch die für viele spätere DDR-Denkmale typische geschichtsphilosophische Überhöhung im Sinne des Marxismus. Sie hat damit kaum an Aussagekraft verloren.
Auch die Gedenktafel am Angermuseum interpretiert Sabine Hahnel als zurückhaltenden Kompromiss zwischen SED und Bürgerparteien. Sie wurde auf den Tag genau 100 Jahre nach den Straßenkämpfen von Oberbürgermeister Georg Boock (SED) am 24. November 1948 feierlich enthüllt. Der Text erinnert an die blutigen Kämpfe „für Freiheit und Einheit Deutschlands“. Aufgezählt werden die 13 Opfer aus der Bürgerschaft, überwiegend Handwerker. Der Tafel fehlt noch die für viele spätere DDR-Denkmale typische geschichtsphilosophische Überhöhung im Sinne des Marxismus. Sie hat damit kaum an Aussagekraft verloren.
Siehe auch: '''[[Geschichte der Stadt Erfurt]]'''

Version vom 4. Februar 2012, 11:31 Uhr

Gedenktafel 1848 am Angermuseum

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (04.02.2012)


Den Freiheitskämpfern von 1848

DENKMALE IN ERFURT (31): Hundert Jahre nach der Revolution von 1848 erinnerte die Stadt Erfurt mit einer Tafel am Angermuseum an die blutigen Kämpfe vom 24. November.


Angermuseumtafel.jpg

Die Revolution von 1848/49 stellte den Höhepunkt der Nationalbewegung dar, die einen deutschen Gesamtstaat auf bürgerlich-freiheitlicher Basis anstrebte. Letztlich gescheitert, boten die vielen Kämpfe um die Ziele der Revolution doch das Potenzial für spätere positive Erinnerung. In Erfurt war es am 24. November auf dem Anger und in der Bahnhofsstraße zu heftigen Straßenkämpfen zwischen preußischen Soldaten und Bürgern gekommen. Sie wurden ausgelöst durch den Widerstand gegen die Einberufung der Landwehr. 13 Bürger und 7 Soldaten fanden dabei den Tod. 131 Personen wurden anschließend unter Anklage gestellt und zu Freiheitsstrafen bis zu 20 Jahren Festung verurteilt.

Hundert Jahre später erinnerte man sich sehr intensiv an die Ereignisse von 1848. In der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, war die Umwandlung in eine „Volksdemokratie“ unter Regie der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands in vollem Gange. Frei nach Walter Ulbricht sollte das Ganze zwar demokratisch aussehen, wobei die SED freilich bereits alle wichtigen Fäden in der Hand hielt. Gegenüber den anderen politischen Kräften, besonders der liberalen LDPD und der christdemokratischen CDU, machte man aber noch Zugeständnisse. So wurden etwa die klassischen bürgerlichen Freiheitsrechte wenig später in die DDR-Verfassung aufgenommen. Genau in diesen Kontext fiel das Erinnerungsjahr 1948, mit dem sich die Erfurter Historikerin Sabine Hahnel beschäftigt hat. Die Kulturpolitik dieser Zeit war laut Hahnel ein Kompromiss zwischen Kommunisten und bürgerlichen Kräften. Das gilt auch für die Landesausstellung „1848“ im Angermuseum, für die Dr. Herbert Kunze verantwortlich zeichnete. Der Museumsdirektor war bereits seit den 1920er Jahren bis 1937 im Amt gewesen. Während die kommunistische Zeitung „Thüringer Volk“ die „revolutionäre Welle“ beschwor, die bis in die Gegenwart nachwirke, betonte die liberale Thüringische Landeszeitung „Freiheit, Einheit und Demokratie“ als Ziele der Revolution von 1848.

Auch die Gedenktafel am Angermuseum interpretiert Sabine Hahnel als zurückhaltenden Kompromiss zwischen SED und Bürgerparteien. Sie wurde auf den Tag genau 100 Jahre nach den Straßenkämpfen von Oberbürgermeister Georg Boock (SED) am 24. November 1948 feierlich enthüllt. Der Text erinnert an die blutigen Kämpfe „für Freiheit und Einheit Deutschlands“. Aufgezählt werden die 13 Opfer aus der Bürgerschaft, überwiegend Handwerker. Der Tafel fehlt noch die für viele spätere DDR-Denkmale typische geschichtsphilosophische Überhöhung im Sinne des Marxismus. Sie hat damit kaum an Aussagekraft verloren.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt